Auf dem Boden der Tatsachen

ISBN 978-3-89645-828-5

Auf dem Boden der Tatsachen

Festschrift für Thomas Bierschenk

Edited by: Nikolaus Schareika, Eva Spies, Pierre-Yves Le Meur. With an introduction by: Pierre-Yves Le Meur, Nikolaus Schareika, Eva Spies. With contributions by: Erdmute Alber, Mahaman Tidjani Alou, Helmut Asche, Rose Marie Beck, Andrea Behrends, Giorgio Blundo, Anna-Maria Brandstetter, Julia Eckert, Peter Geschiere, Sten Hagberg, Jean-Pierre Jacob, Salam Kassem, Raimund Kastenholz, Dirk Kohnert, Matthias Krings, Gudrun Lachenmann, Katrin Langewiesche, Carola Lentz, Dieter Neubert, Paul Nugent, Jean-Pierre Olivier de Sardan, Nikolaus Schareika, Günther Schlee, Eva Spies, Georg Stauth, Ivo Strecker, Christian Ungruhe, Katja Werthmann, Thomas Zitelmann. Series edited by: Thomas Bierschenk, Anna-Maria Brandstetter, Raimund Kastenholz, Matthias Krings, Carola Lentz.

Series: Mainzer Beiträge zur Afrikaforschung Volume 28

2011
516 pp.
1 map, 1 coloured photo: Thomas Bierschenk’s decoration “Chevalier de l’Ordre National du Bénin”, 4 b/w photos, 1 illustration, 1 genealogy, list of publications, Tabula gratulatoria
Text language(s): English, French, German
Format: 170 x 240 mm
970 g
Paperback
€ 38.00

C’est le terrain qui commande!

Thomas Bierschenk represents ethnology „down to earth“. He follows the social realities of the field without falling for naive empiricism or the romantic idealisation of local voices, and points that ethnology does not have to draw on essentialisms to make other people’s logic of action comprehensible.

Among his topics under study on the basis of long-term experience in research are state and statehood, development, local forms of power or strategically operating Fulbe groups – especially in West African Benin, but as well in the Sultanate of Oman. Time and again his focus concentrated on the incomplete and hybrid, on the overlapping and contradictory, only to find in these the sources of social dynamics, innovation and change.

In the present volume his colleagues and students capture his approach and honour Thomas Bierschenk and his work with their contributions on the occasion of his 60th birthday.

CONTENTS

Eva Spies / Nikolaus Schareika / Pierre-Yves Le Meur:
Einleitung: Ethnologie auf dem Boden der Tatsachen

ZUGÄNGE – APPROCHES – APPROACHES

Jean-Pierre Olivier de Sardan:
L’anthropologie peut-elle être un sport collectif? ECRIS, vingt ans après …

Georg Stauth:
Ägypten und Kulturkontakt: Pharao, Islam, Archäologie

Mahaman Tidjani Alou:
Savoirs en sciences sociales, enjeux sociaux et action publique en Afrique

Raimund Kastenholz:
Some Thoughts on Language Death and Language Shift in Africa

Matthias Krings:
Nigerianische E-Mails, ethnologische Lektüren

Anna-Maria Brandstetter:
Ist das Ethnologie?

Rose Marie Beck:
Über die sprachtheoretische Konstitution von Wissensordnungen

Die Lehrforschungsgruppe „Schulen, Schüler und Lehrer in Benin“ 2007:
Nora Brandecker, Sarah Fichtner, Heide Marie Clara Hällmayer, Marie-Louise v. Kirchbach, Antonia Lütgens, Katja Voss und Salka-Lena Wetzig
:
Der Lehr­forschungsleiter at Work – Erfahrungen der Lehrforschungsgruppe „Schulen, Schüler und Lehrer in Benin“

Die Lehrforschungsgruppe „Justiz und Polizei in Benin“ 2009:
Annalena Kolloch, Elena Hofferberth, Lisa Peth, Désirée Scherer, Elisa Schütz, Annika Witte und Agnieszka Zapotocka-Zapalska
:
Mainz verpflichtet. Eine Büttenrede – wider den ethnologischen Ernst

FULBE – PEULS – FULANI

Sten Hagberg:
Organising Fulbe-ness: Ethnicity, Livelihoods and Civil Society in Burkina Faso

Günther Schlee:
Fulbe in wechselnden Nachbarschaften in der Breite des afrikanischen Kontinents

Nikolaus Schareika:
Die Mühlen der Lineage. Friktionen und Fraktionen um das Projekt Getreidebank bei den Wodaabe Südostnigers

ENTWICKLUNG – DÉVELOPPEMENT – DEVELOPMENT

Thomas Zitelmann:
Folgen der Entwicklungshilfe Reloaded. Das Militär in der Arena

Gudrun Lachenmann:
Die translokale Produktion von Wissen über gesellschaftliche Transformation in Entwicklungs­forschung und -praxis

Dirk Kohnert:
Cultures of Innovation of the African Poor. On the Articulation of Multiple Modernities in African Societies and African Diasporas in Latin America

MACHT – POUVOIR – POWER

Dieter Neubert:
Ordres concurrents et limites des formes locales d’organisation sociopolitique

Ivo Strecker:
Lautsprecher: Erinnerung an ein Hot Potato Projekt

Katja Werthmann:
Die Dyula in Burkina Faso: von vorkolonialer Elite zu ethnopolitischem Verein

Jean-Pierre Jacob / Salam Kassem:
Le développement comme production du monde. L’exemple de la commission électorale indépendante burkinabè

Carola Lentz:
Moieties, Fürstenhöfe und Teams. Gedanken zur politischen Ethnologie einiger deutscher ethnologischer Institute

STAAT – ÉTAT – STATE

Helmut Asche:
On the Colonial Origins of Statehood in Africa – A Critique of the Institutional Economics View

Paul Nugent:
Bourdieu and De Certeau at the Border Post. Trans-Boundary Communities, Government Officials and Everyday Life in West Africa

Giorgio Blundo:
« Comme un ballon de foot » – La gestion quotidienne des ressources humaines dans les services forestiers en Afrique de l’Ouest

Erdmute Alber / Christian Ungruhe:
Fans and States at Work. Eine Reise ghanaischer Fußballfans zur Fußballwelt­meisterschaft 2010 in Südafrika

Katrin Langewiesche:
Konfessionell, national, global. Das Gesundheitswesen in Burkina Faso aus historischer Perspektive

Julia Eckert:
Work in Progress. The State at Work in Urban India

Eva Spies:
God at Work auf Madagaskar. Zum Verhältnis von Religion und Politik

Andrea Behrends / Nikolaus Schareika:
Öl, Staat, Ressourcenfluch

Peter Geschiere:
The 1994 Forest Law in Cameroon

Die Autoren – The Authors
Schriftenverzeichnis von Thomas Bierschenk
Tabula gratulatoria

The editors:

Nikolaus Schareika is Professor for Ethnology at the Georg August University Göttingen / Germany.

Eva Spies is Junior Professor for Religious Studies focusing on Africa at the University of Bayrfeuth / Germany.

Pierre-Yves Le Meur is colleague at the Institut de Recherche pour le Développement (IRD) and is currently working in Nouméa / New Caledonia.


Under the following links you will find further Festschriften for renowned scholars published in our programme:


Cross-reference:

Reviews

Festschriften gehören zweifelsohne – zusammen mit Vorworten, Danksagungen und Laudationes – zu den eigenwilligen Genres des akademischen Schrifttums. Indem sie Professionelles und Persönliches verknüpfen, Erforschtes partout nicht vom Erlebten trennen wollen, brechen sie mit den üblichen Formen akademischer Veröffentlichungen und bieten einen seltenen Einblick hinter die Kulissen des universitären Geschäfts. [...] Die Festschrift zum 60. Geburtstag des Mainzer Ethnologen Thomas Bierschenk ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme [...] Wer sich in das Dickicht disparater Fallstudien (unter anderem zu Ägypten, Brasilien, Benin, Burkina Faso, Ghana, Haiti, Indien, Kamerun, Madagaskar, Oman, Niger, Senegal) und diverser Disziplinen (unter anderem Sozialanthropologie, Linguistik, Kulturanthropologie, Wirtschaftswissenschaft, Geschichte) wagt, wird mit einer Reihe solider Aufsätze und unkonventioneller Blicke auf das Forschungsfeld belohnt. [...] Der Band bedient zwei Gruppen von Lesern/innen. Studierende und erfahrene Wissenschaftler, die sich bereits auf ein bestimmtes Forschungsthema spezialisiert haben, können sich auf den einen oder anderen Block konzentrieren oder einzelne Aufsätze herauspicken. Wer sich etwa für das relativ neue Feld der ‚Borderland Studies’ interessiert, wird den Aufsatz von Paul Nugent über den Alltag an der Grenze Ghana/Togo nicht unbeachtet lassen. Wer sich mit der Verwaltung von Umwelt und Wäldern in Afrika beschäftigt, wird mit den Aufsätzen von Giorgio Blundo über Förster in Niger und Senegal und von Peter Geschiere über das ‚Forest Law’ in Kamerun gut versorgt. Auch andere Themen wie Fußball (Erdmute Alber und Christian Ungruhe), Gesundheitswesen (Katrin Langewiesche), Religion (Eva Spies) oder „Yahoo-boys” (Matthias Krings) finden in diesem Band Berücksichtigung. Berufseinsteiger auf der Suche nach einem Einblick in die ethnologische Arbeitsweise sowie erfahrene Afrikawissenschaftler in reflexiver Stimmung werden in den methodologischen Aufsätzen interessante Denkanstöße finden. Dass eine zeitgemäße Ethnologie sich nicht auf das von Malinowski mythisierte Aufeinandertreffen eines einsamen (weißen, männlichen) Ethnologen mit einer (fremden) Kultur reduzieren lässt, zeigen überzeugend Jean-Pierre Olivier de Sardan und Mahaman Tidjani Alou. Sie beschreiben die Ethnologie als einen Mannschaftssport, dessen Erfolg vom Einsatz konkreter Werkzeuge abhängt – etwa in der Form internationaler Forschernetzwerke (APAD, LASDEL) oder gemeinsamer Feldforschungsmethoden (ECRIS). Während der Mehrwert des Bandes insgesamt eher im Themenbereich der Feldforschung zu finden ist, liefert Carola Lentz mit ihrer Analyse der Machtverhätnisse in deutschen Ethnologieinstituten einen interessanten Kontrapunkt. „Es finden sich Institute in der Tradition des Fürstenhofs, extrem polarisierte Moieties mit tiefen Fraktionsgräben und kollegialen Teams mit mehr oder minder charismatischer Führerschaft oder bürokratisierter ‚Herrschaft’ sowie alle möglichen Hybridformen”, stellt Lentz nüchtern fest (S. 334).

Joel Glasman in H-Soz-u-Kult, online: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2013-1-071, pp. 1-3

Dem Mainzer Ethnologen Thomas Bierschenk widmen die drei Herausgeber und eine Schar von Kolleginnen und Kollegen sowie einige Studenten eine Festschrift zum 60. Geburtstag. Er sei, so ist in der Einleitung formuliert, ein Wissenschaftler, der die „Tatsachen des Feldes schätzt” und der es ablehnt, „das Feld als Bühne für eine Ethnologie als Heldenepos oder als Kunst geschliffener Narrative zu zelebrieren” (S. 9). Von dieser Maxime des wissenschaftlichen Arbeitens sind auch die meisten der 29 Beiträge inspiriert. Die Mehrzahl gruppiert sich nämlich um Themen, die auch die des Jubilars sind: Staat, Staatlichkeit, Entwicklung, lokale Formen der Macht. Da die Objekte des Bierschenkschen Forschungsinteresses insbesondere die Fulbe in Benin sind, verwundert es nicht, daß viele der Beiträge sich mit ethnologisch relevanten Themen aus Westafrika befassen. Wie Bierschenk konzentrieren sich auch viele der Autorinnen und Autoren seiner Festschrift auf das Unabgeschlossene und Hybride, auf das sich Überlagernde und Widersprüchliche, um so Ursachen der Veränderungen zu entdecken. [...] Alles in allem gesehen wird in der Festschrift ein breites Spektrum von Fallstudien geboten, von denen einige neue Türen aufstoßen und andere den Stand der Forschungen repräsentieren. Mit Sicherheit ein würdiges Geschenk für den Jubilar.

Ulrich van der Heyden in Das Historisch-Politische Buch, 6/2013, pp. 573-574

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