„… der im Sturm steht wie ein Kameldornbaum“

ISBN 978-3-89645-452-2

„… der im Sturm steht wie ein Kameldornbaum“

Die Evangelisten Namibias und ihre Geschichte

Author: Hans-Martin Milk. Series edited by: Archiv und Museumsstiftung der VEM, Wuppertal.

Series: InterCultura – Missions- und kulturgeschichtliche Forschungen Volume 11

2019
10 pp. Roman, 488 pp.
8 colour maps, 2 colour photos, 24 historical b/w photos, 1 colour graph, 1 colour facsimile illustration, 3 b/w drawings, Biographical chart of 701 Namibian evangelists, subject index, index of place names and persons
Text language(s): German
Format: 160 x 240 mm
990 g
Hardcover
€ 44.80

Der Titel dieses Buches beruht auf eine Aussage des Evangelisten Traugott Dâusab in Anlehnung an Jeremia 17, 8: „Der ist wie ein Baum, am Wasser ge­pflanzt und am Bach gewurzelt. Denn obgleich eine Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün, und sorgt nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern er bringt ohne Aufhören Früchte.“

Die knorrige und ausdrucksvolle Erscheinung des Kameldornbaums (Acacia erioloba) ist typisch für viele Gebiete Namibias. In regenreichen Gegenden mit tiefgründigen Böden erreicht er eine stattliche Höhe. In seiner großen Baumkrone und seinem Unterholz schafft er ein Biotop für verschiedene Lebens­formen. Der rote Kern des Holzes ist eisenhart und kann nicht von Termiten zerstört werden. Durch sein tiefes und ausgedehntes Wurzelwerk kann er wiederholt Trockenjahre überleben. Seine gelben Blüten sind unscheinbar kleine, duftende Bällchen. Die Hülsen-früchte des Kameldornbaumes bieten ein bevorzugtes Futter für Wild und Vieh. – Sicher alles Methapern für die Charakterbeschreibung eines Evan­gelisten, so wie er sich selbst verstand.

Dieses Buch stellt die Einzelschicksale von namibischen Evangelisten dar, untersucht ihre Alltagsstrategien und beschreibt, wie sie in den verschiedenen Geschichtsphasen Namibias zwischen 1820 und 1990 gehandelt haben. Es ist Anliegen dieses Buches, den Evangelisten Namibias ein Profil zu geben, ihre spannenden Lebensskizzen nachzuzeichnen und damit den Blick auf die Geschichte Namibias zu differenzieren.

Dies ist die Geschichte der Evangelisten, die in besonderer Weise die Entstehung einer der bedeutenden protestantischen Kirchen Namibias geprägt haben. Die Geschichte dieser Kirche, der Evangelical Lutheran Church in the Republic of Namibia (ELCIN), ist die Geschichte der Evangelisten. Mit den Biografien soll eine neue Perspektive auf die Entstehungsgeschichte erschlossen werden.

Auch die durchgehende Benutzung des Begriffs „Evangelist" benötigt eine Erklärung, denn er hat im europäischen Kontext eine andere Konnotation als in dem historischen Zusammenhang, der hier beschrieben wird. Der Begriff für die hier zu beschreibende Gruppe von Menschen wandelte sich im Laufe der Missionsgeschichte Namibias. Generell fällt auf, dass die Missionare der Rheinischen Missionsgesellschaft (RMG) sich selbst zu keiner Zeit als Evangelisten bezeichnet haben – anders als es z. B. im anglophonen Bereich der London Missionary Society oder Wesleyan Methodist Missionary Society üblich war. Missionare des anglophonen Bereichs bezeichneten sich selber als Evangelisten.

Das Wort Evangelist hat dieselben sprachlichen Wurzeln wie Evangelium, das für die Belohnung der Überbringung einer guten Nachricht oder die gute Nachricht an sich steht. Im protestantischen Verständnis bedeutet Evangelium im Neuen Testament die Verkündigung Christi und der Erlösung, die mit ihm kommt. Der Evangelist wäre demnach der, der kommt, um diese Erlösung zu verkündigen, also der wandernde Prediger. Erst ab dem dritten Jahrhundert setzte sich die Bezeichnung Evangelist für die vermeintlichen Schreiber der Evangelien im Neuen Testament durch.


Following the links below you will further historical studies about the work of the United Evangelical Mission UEM (formerly Rhenish Mission since 1828) in German Southwest / Namibia, another book by the author as well as a review by Artur Schorzmann:


Accompanying material:

Reviews

„Evangelisten“ wurden sie von den deutschen Missionaren in Deutsch-Südwestafrika, heute Namibia, genannt oder auch „unsere eingeborenen Gehilfen“. Gemeint sind die Mitarbeiter der Rheinischen Mission (RMG) im 19. und 20. Jahrhundert. Hans-Martin Milk, selbst auf einer früheren Missionsstation aufgewachen, hat ihnen ein fast 500 Seiten starkes Buch gewidmet. [...]

Eindrücklich und sachlich skizziert der Autor die Spannungen zwischen den einheimischen Evangelisten und den RMG-Missionaren insbesondere in der Zeit des deutschen Kolonialismus (1884–1915) mit seiner aggressiven Siedlungspolitik wie auch nach 1945, als die RMG in finanzielle Probleme geriet. Als bekannt wurde, dass die Missionsgemeinden ungefragt an die südafrikanische Nederduits Gereformeerde Kerk abgegeben werden sollten, „brach sich die über Jahre gewachsene Unzufriedenheit Bahn“. [...]

Dass die namibischen Evangelisten bisher in der Forschung wenig Beachtung fanden und selbst in der Geschichtsschreibung der heutigen Vereinten Evangelischen Mission (VEM) nach eigenen Aussagen eine „bislang eher wenig beachtete Personengruppe“waren, ist verwunderlich. Mit den von Hans-Martin Milk zusammengestellten 701 Biographien wird sich das ändern.

Dietmar Silbersiepe in Jahrbuch Mission, 2020, pp. 282-284

PDF documents:

PDFReview by Artur Schorzmann(≈ 84 kB)
PDFTable_of_Namibian_Evangelists(≈ 161 kB)
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