978-3-89645-141-5
Reihe: QKF
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The Kalahari Ethnographies (1896–1898) of
Siegfried Passarge
ISBN 978-3-89645-141-5
Edited by Edwin N. Wilmsen
Reihe: Quellen zur Khoisan-Forschung Band 13
1997
332 Seiten, 1 s/w-Foto, 1 Karte, Fadenheftung
€ 34,80
Siegfried Passarge ist der Autor von zwei der frühesten ethnographischen Monographien, die auf dem von Malinowski entwickelten Verfahren der „teilnehmenden Beobachtung“ basieren: „Die Buschmänner der Kalahari“ und „Das Okawangosumpfland und seine Bewohner“. Aus seiner Feder stammen auch der ethnographische Abriß „Die Hambukushu“, die theoretische Abhandlung „Grundlinien im ethnographischen Bilde der Kalahari-Region“, sowie einige detaillierte Beschreibungen seiner Forschungsreisen. Die genannten Arbeiten werden im vorliegenden Band, mit Annotationen des Übersetzers und einer evaluierenden Einleitung versehen, erstmals in englischer Sprache vorgestellt.
Schon wegen ihres historischen Wertes sind diese Texte von Interesse für jeden, der sich mit dem südlichen Afrika beschäftigt. So stützte sich z.B. der renommierte Anthropologe Isaac Schapera in seinen Arbeiten in hohem Maße auf Passarge. Dies gilt insbesondere für seine enzyklopädische Synthese „The Khoisan-Speaking Peoples of South Africa“ (1930), die bis in die 60er Jahre als das anthropologische Referenzwerk dieser Region galt. Schapera bezog sich dabei aber hauptsächlich auf Passarges Rekonstruktion der Vergangenheit und nicht auf seine Beobachtungen zur Gegenwart. So gingen in der Folgezeit wichtige Spezifika in Passarges Werk verloren. Von Anthropologen des späteren 20. Jahrhunderts wurden seine Ethnographien ignoriert. Dabei hätte manche Information Passarges die Ethnographen der Moderne auf neue Untersuchungspfade führen können, die ihnen so verborgen blieben. Denn Passarge beschreibt in seinen Werken u.a. internationale Handelswege und die Güter, die auf ihnen befördert wurden; viehhalterische und – im Verbund mit wildbeuterischen Aktivitäten – Feldbaupraktiken bei Khoisan- (und auch Bantu-) sprachigen Bevölkerungsgruppen; die geographische Verteilung von Populationen mit unterschiedlichen Sprachen und gesellschaftlichen Affiliationen, und deren Beziehungen zueinander; und nicht zuletzt die materielle Kultur der Region unter Nennung von Gegenständen, die dort längst nicht mehr heimisch sind.
In einem längeren Abschnitt äußert sich Passarge auch zur politischen Organisation der khoisan-sprachigen Bevölkerungsgruppen, indem der das Wesen der Landhaltung sowie Prinzipien der Führerschaft und des Erbwesens diskutiert. Von besonderer Bedeutung – und das unterscheidet Passarge deutlich von zeitgenössischen Ethnographen – ist seine Trennung von „Leben einer Buschmannfamilie in der Gegenwart“, das er beobachtete, und „Leben der Buschmänner in früherer Zeit“, das er rekonstruierte.
Passarges Texte sind aber auch wichtig wegen des Lichts, das sie auf die Debatte zur Evolution des Menschen und die damit verbundene Kontroverse über Rassen werfen, die während der letzten Jahrzehnte des 19. und der ersten des 20. Jahrhunderts zu beiden Seiten des Atlantiks geführt wurde. Damit tragen sie zugleich zur Erhellung der rezenten sog. Buschmann-Debatte bei. Passarges ethnographische Arbeiten haben fast ein ganzes Jahrhundert nach ihrer Entstehung neue Bedeutung erlangt.
Inhalt
Portrait of Siegfried Passarge
Karte: Reisewege im Ngamiland von Dr. Siegfried Passarge in den Jahren 1896–1898
Travels in Ngamiland – translated by Leander Gloversmith
Foundation for the ethnographic study of the Kalahari region – translated by Caroline Jeannerat
The expedition of the British West Charterland Ltd. – translated by Edwin N. Wilmsen
The Bushmen of the Kalahari – translated by Edwin N. Wilmsen
The Okavango swampland and its inhabitants – translated by Edwin N. Wilmsen
The Hambukushu – translated by Leander Gloversmith
Review of “The Bushmen” by Gustav Fritsch with reply by Passarge translated by Edwin N. Wilmsen with Klaus Keuthmann
Rezensionen
Wilmsen sheds light on the importance of Passarge’s findings whose whose work was read by Schapera and Bleek and criticises that it was later on neglected by other ethnographers. In contrast, Passarge’s ethnographies have been essential to some of Wilmsen’s arguments in the past. Here Wilmsen takes up again the Kalahari Debate and suggests that if Passarge’s information would have been more widely known and recognised by Khoisan (and other) researchers the argument would have looked differently.
Sabine Neumann in FAB 11 (1999) S. 164